Siehe auch PtA-Aktuell: Erythromycin besitzt eine ausgeprägte, chemische Instabilität im neutralen, sauren und stark alkalischen Milieu. Dabei entstehen interne Molekül-Umlagerungen, die zur Wirkungslosigkeit führen. Bei pH 7 kommt es innerhalb von 24 Std. zu einer 14%-igen Inaktivierung, bei pH 6 innerhalb von 3-4 Std. zur vollkommenen Wirkungslosigkeit. Die in einer Zubereitung gelösten Anteile von Erythromycin sind diesbezüglich besonders gefährdet.
Zu o.g. Rezeptur muss angemerkt werden:
Erythromycin besitzt ein extremes Stabilitätsoptimum bei pH 8,5.
Deshalb verbietet sich eigentlich jede Kombination mit anderen Wirkstoffen, die völlig andere Stabilitätsoptima haben, die mit demjenigen des Erythromycins nicht „unter einen Hut“ zu bringen sind.
Welche PtA-Aktuell das war, weiß ich nicht mehr, Sorry.
Durch die Vorkonservierung der Ung. emulsific. aquos. mit einer Mischung von Sorbinsäure und Kaliumsorbat resultiert ein pH zwischen 5 und 6. In diesem Milieu wird Erythromycin innerhalb weniger Stunden zu unwirksamen Artefakten zersetzt.
In dieser wie auch allen anderen, wasserhaltigen Rezepturen muss das Stabilitätsoptimum künstlich eingestellt werden.
Soll ein saurer pH in den basischen Bereich gebracht werden, benutzt man abhängig vom Vehikel-System entweder ein organisches Amin wie Trometamol oder ein anorganisches, basisch reagierendes Salz wie Natriumhydrogencarbonat in Form einer 4,2%- oder 8,4%igen Lösung.
Liegt ein pH von über 8,5 vor, muss durch Zusatz von wenig Zitronensäure auf das Stabilitätsoptimum von Erythromycin zurückgeführt werden.
Die obige Rezeptur sollte zunächst in folgender Weise modifiziert werden:
Erythromycin 2%
Trometamol q.sat. pH 8,5
Ung. emulsify. aquos. ad 100,0
Durch die Einstellung eines bas. pH-Wertes verlieren die eingesetzten Konservierungsmittel ihre Wirkung. Sorbinsäure und Kaliumsorbat besitzen ihr Wirkoptimum im leicht sauren Bereich. Oberhalb von pH 6 sind sie wirkungslos.
Die O/W-Creme ist wegen des hohen Wassergehaltes in der äußeren Phase kontaminationsanfällig, die mikrobielle Stabilität und Qualität sind nicht mehr gewährleistet.
Deshalb muss die Zubereitung nachkonserviert werden. Hierfür eignet sich Propylenglycol, das pH-unabhängig konservierend wirkt. Die Konzentration beträgt 20%, bezogen auf die Wassermenge in der O/W-Creme.
Die obige Rezeptur sollte demgemäß in folgender Weise optimiert werden (s.u.):
Erythromycin 2%
Propylenglycol 14,0
Trometamol q.sat. pH 8,5
Ung. emulsif. aquos. ad 100,0
Eine standardisierte Vorschrift mit einer Creme-Formulierung befindet sich im NRF unter der Bezeichnung „ Erythromycin-Creme 0,5 / 1,0 / 2,0 oder 4,0 % (NRF 11.77)“
Die Creme baut auf der amphiphilen Basiscreme DAC auf, die durch Wasserzusatz in den O/W-Bereich gedrängt wird. Durch den Zusatz von Citronensäure oder Citronensäure-Lösung wird der durch das Erythromycin erzeugte, zu basische pH auf das Niveau des Stabilitäts-Optimums von 8,5 zurückgeholt. Durch die Gegenwart ausreichender Propylenglycol-Mengen ist die mikrobielle Qualität garantiert.
Diese Vorschrift hat Standard-Funktion, d.h. an ihr müssen sich alle anderen Erythromycin-Creme-Verordnungen auf O/W-Basis messen lassen.